Lesungen
Der Dichter liest aus seinen Arbeiten; stockend, getragen und
mit Wehmut in der Stimme. Die Eintönigkeit seiner Betonung lässt
nicht nur Langeweile aufkommen, sondern bedrückt auch und deprimiert.
Betroffen verlässt das Publikum die enge Kammer, entschlossen, nie mehr
wiederzukehren.
Werkstatt I
Schau dem Künstler bei der Arbeit zu. Er sitzt mit verzweifeltem Blick vor seiner
Schreibmaschine und klopft verbissen seine Verse auf das fleckige Papier.
Man merkt ihm an, wie er sich die Inspiration abzwingt und trotzig jedes einzelne Wort
in die Tasten hämmert.
Werkstatt II
Im Jahr 2009 ist der Autor dazu übergegangen, Computer zu verwenden. Verzweifelt kämpft er mit Webdesign
und der Typographie vektororientierter Graphik. Dabei kommt ihm der Gedanke, dass die Maschinen vom Bösen sind
und von der Katharsis weggefegt werden müssen. Doch leider haben seine Hände verlernt, die Feder zu halten und
er ist hoffnungslos der neuen Technologie verfallen.
Jahre später
22. September 2025
Ich bin hierher wiedergekehrt, nach vielen Jahren, von Zweifel erschüttert.
Was geschieht mit mir, wenn diese Texte gelesen werden, die so mutig scheinen, aber
es nicht sind?
Texte, die aus der Tiefe kommen, tragen viel mit sich, Dunkles, Verborgenes, abgelegte
Geschichten und nicht verarbeitete Wunden.
Sie zerren ans Tagelsicht, was zu lange in der Tiefe gerottet ist, gegärt hat und
schlecht geworden ist.
Leg es aus zum Trocken! Sieh es an und deute es! Hilfe kommt nicht, aber finde die
Ruhe darin!
Sie sind wieder da!
23. Oktober 2009, PJ
Lange dunkle Jahre lagen sie verborgen unter Schichten und Schichten abgelagertem Schmutz; das
Leiden
und die Mühe so vieler verlorener Stunden ließen sie verstummen.
Leise ...
Ticken sie wieder, unterschwellig und nervend.
Sie sind bereit, wieder anzuschwellen bis sie laut in den Ohren dröhnen.
Doch noch warten sie - bis ihre Zeit bald kommen wird.
Nach fast 30 Jahren gibt es wieder ein Auflage der
beliebten "dunklen Gedichte" von PJ.
Die Leserschaft
23. Oktober 2009, PJ
Die Warnsignale waren damals
schon von so zweifelhafter Beliebtheit, dass sie wirklich von niemandem gelesen wurden. Das
lag natürlich auch daran, dass der Autor seine Werke nicht veröffentlichte. Heute - im Zeitalter des
Internets ist es natürlich eine leichte Aufgabe, einem widerwilligen Publikum die beklemmenden Verse zu unterbreiten, und so hofft der Autor,
auch nach so langer Zeit wieder auf taube Ohren zu stoßen und die damals erreichte Zahl von 0 Lesern wieder zu gewinnen.
Geduld
23. Oktober 2009, PJ
Natürlich wird es noch ein wenig dauern, doch da ja niemand begehrlich auf die Texte wartet, ist
es keine Plage, wenn es unterträglich lange dauert, bis die Strophen auf diese Seite finden.